Gedenkfahrt zur Gedenkstätte Natzweiler-Struthof

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts unternahmen die Klassen 9a, 9b und 9c der Friedrichschule Lahr gemeinsam mit ihren Lehrkräften eine Gedenkfahrt zur ehemaligen Konzentrationslagerstätte Natzweiler-Struthof im Elsass.

Die Anreise begann am Morgen an einer Bushaltestelle in der Nähe der Schule. Von dort aus führte der Weg zunächst mit dem Reisebus zu einem Bahnhof, der eine zentrale Rolle im historischen Kontext des Lagers spielte: Hier kamen einst deportierte Menschen an, die den weiteren Weg durch das Dorf zu Fuß zurücklegen mussten. Bereits an diesem Ort setzten sich die Schüler:innen intensiv mit der Frage auseinander, inwieweit die damalige Dorfbevölkerung die Geschehnisse wahrgenommen haben könnte.

Im Anschluss wurde die ehemalige Gaskammer aufgesucht. Dieser Ort, an dem schwerste Verbrechen begangen wurden, war zum Zeitpunkt des Besuchs nicht zugänglich. Dennoch erhielten die Schüler:innen durch die Ausführungen von Herrn Brorein, einem der begleitenden Geschichtslehrer, einen eindrücklichen Einblick in die Hintergründe: In der Gaskammer wurden Menschen ermordet, unter anderem im Zusammenhang mit den pseudowissenschaftlichen Experimenten des Straßburger Professors August Hirt. Die ruhige und konzentrierte Atmosphäre während dieser Station spiegelte die Betroffenheit der Gruppe wider.

Die Weiterfahrt führte schließlich zum eigentlichen Lagergelände. Dort wurden die Klassen in kleinere Gruppen aufgeteilt und jeweils von einem Geschichtslehrer sowie einer weiteren Lehrkraft durch die Anlage geführt. Viele Schüler:innen erkannten dabei Parallelen zu Inhalten aus dem Unterricht sowie zu filmischen Darstellungen, etwa die Kommandantenvilla außerhalb des Lagers, die sie an Szenen aus dem Film Schindlers Liste erinnerte. Auch Berichte ehemaliger Häftlinge, die vor Ort vorgelesen wurden, konnten sie vor dem Hintergrund ihres Vorwissens einordnen.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass die unmittelbare Begegnung mit dem historischen Ort eine neue Qualität des Verstehens ermöglichte. Mehrere Schüler:innen äußerten im Anschluss, dass sie sich das Leben im Konzentrationslager nun konkreter vorstellen könnten. In Gesprächen wurde von starker emotionaler Betroffenheit berichtet: Einige beschrieben das Gefühl, weinen zu müssen, gleichzeitig aber wie betäubt zu sein angesichts der Dimension der Gewalt und der systematischen Organisation des Unrechts.

Den Abschluss der Führung bildete ein gemeinsames Gedenken. Die Schüler:innen legten Rosen nieder und hielten eine Schweigeminute ab. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, das Gelände eigenständig weiter zu erkunden. Einige nutzten dies, um die Kommandantenvilla von außen zu betrachten, das Mahnmal außerhalb des Geländes zu besuchen oder sich für einen Moment in die Stille des angrenzenden Waldes zurückzuziehen.

Die Eindrücke des Tages wirkten auch über den Besuch hinaus nach. In Gesprächen untereinander setzten sich die Schüler:innen mit Fragen von Verantwortung, Erinnerungskultur und aktuellen Formen von Ungerechtigkeit auseinander. Gegenüber den Lehrkräften wurde zudem der Wunsch geäußert, weitere Gedenkstätten zu besuchen und die Auseinandersetzung mit der Geschichte aktiv fortzuführen.

Die Gedenkfahrt leistete damit einen wichtigen Beitrag zur historisch-politischen Bildung und zur Förderung eines reflektierten Umgangs mit Vergangenheit und Gegenwart.

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