Als am letzten Schultag die Schulband die ersten Töne anstimmte, wurde schnell deutlich, dass dieser Vormittag für die Friedrichschule ein besonderer werden würde. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Mitarbeitende hatten sich in auf dem Schulhof versammelt, um Schulleiter Stephan Seizinger zu verabschieden. Nach acht Jahren an der Spitze der Gemeinschaftsschule wechselt er zum 1. September als Schulrat an das Staatliche Schulamt Offenburg.
Mit dem Wechsel endet eine Zeit, in der sich die Friedrichschule in vielen Bereichen weiterentwickelt hat. Pädagogische Konzepte wurden überarbeitet, die Digitalisierung ausgebaut und neue Strukturen geschaffen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Einführung der Lernzeit, die individuelles Lernen und mehr Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler fördert. Ebenso wurde die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams weiterentwickelt.
Doch wer mit Seizinger über Schule spricht, merkt schnell, dass für ihn nicht einzelne Projekte im Mittelpunkt stehen. Sein Leitgedanke war stets, Schule als einen Ort zu gestalten, an dem Kinder und Jugendliche gerne lernen und sich wohlfühlen.
„Schule ist dann gut, wenn Kinder morgens gerne kommen“, sagt er. Gute Bildung brauche fachliche Qualität ebenso wie Vertrauen, Wertschätzung und gute Beziehungen.
Auch das Profil der Friedrichschule hat sich in den vergangenen Jahren sichtbar verändert. Die Auszeichnung als Europaschule, die Erasmus+-Akkreditierung mit internationalen Begegnungen sowie die Aufnahme in das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ stehen beispielhaft für eine Entwicklung, die weit über den Unterricht hinausreicht.
Seizinger selbst versteht diese Entwicklung ausdrücklich als Gemeinschaftsleistung. Schule könne sich nur dann erfolgreich weiterentwickeln, wenn Lehrkräfte, Mitarbeitende, Eltern, Schulträger und viele weitere Partner gemeinsam Verantwortung übernehmen. Für diese Zusammenarbeit empfinde er große Dankbarkeit.
Ein Wunsch blieb während seiner Amtszeit allerdings unerfüllt. Der geplante Erweiterungsbau der Friedrichschule konnte bislang nicht umgesetzt werden.
„Die pädagogische Entwicklung braucht langfristig auch die passenden räumlichen Voraussetzungen“, sagt Seizinger. Moderne Lernräume seien eine wichtige Investition in die Zukunft der Schule. Er hoffe sehr, dass dieses Projekt in den kommenden Jahren verwirklicht werden könne.
Die Verabschiedung begann bereits einige Tage zuvor bei der Abschlussfeier der Schule. Im Namen der Elternschaft dankte Elternbeiratsvorsitzende Simone Erlewein dem scheidenden Schulleiter für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Sie hob insbesondere seine offene Kommunikation, seine Verlässlichkeit und den wertschätzenden Umgang mit Eltern hervor.
Den emotionalen Höhepunkt bildete schließlich die Schulversammlung am letzten Schultag. Die Schulband sorgte für den musikalischen Rahmen, eine Tanzgruppe der Klasse 5b begeisterte mit ihrem Auftritt. Besonders persönliche Worte fanden die Schülerinnen und Schüler der Schülermitverantwortung. Sie dankten Seizinger für seine jederzeit offene Tür, dafür, dass ihre Anliegen ernst genommen wurden, und für eine Kommunikation, die von Respekt und gegenseitiger Wertschätzung geprägt gewesen sei.
Sichtlich bewegt nahm der Schulleiter die Beiträge entgegen. Sein Dank galt den Schülerinnen und Schülern ebenso wie dem Kollegium und allen Mitarbeitenden der Schule.
Im Anschluss verabschiedete sich auch das Kollegium von seinem langjährigen Schulleiter. Konrektor Andreas Brochhausen würdigte die Entwicklung der Friedrichschule in den vergangenen Jahren und sprach von einer vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit, die von gegenseitigem Respekt und einem gemeinsamen Verständnis guter Schule geprägt gewesen sei.
Mit lang anhaltendem Applaus, vielen persönlichen Gesprächen und zahlreichen guten Wünschen endete schließlich ein besonderer Schultag – und zugleich ein prägendes Kapitel in der Geschichte der Friedrichschule.
Für Stephan Seizinger beginnt nun ein neuer beruflicher Abschnitt am Staatlichen Schulamt Offenburg. Die Friedrichschule wird er mit vielen Erinnerungen verlassen – und mit der Hoffnung, dass sie ihren eingeschlagenen Weg erfolgreich weitergeht. Denn eines war für ihn in all den Jahren der wichtigste Maßstab: dass Kinder gerne zur Schule kommen.